Kaffeebohnen in der Kaffeetasse

Kaffee trinken für den Arten- und Klimaschutz?

Man fragt sich ja oft, ob es sowas wie den perfekten Konsum gibt. Vermutlich nicht, weil jeder Ressourcenverbrauch irgendwie Platz und Energie benötigt. Aber richtig gehandelter Kaffee, kommt dem schon sehr nahe und kann vermutlich sogar mehr positives bewegen, als er negatives anrichtet.

Warum ich das glaube, möchte ich euch nachfolgend detailliert darstellen.

Kaffee kann im Einklang der Natur hergestellt werden

Kaffee ist ein Schattengewächs und wächst im Regenwald eigentlich einfach bei den Bäumen mit. Man könnte Kaffee also ohne großes Waldroden mitten im Wald anbauen und einmal im Jahr händisch abernten und dabei so gut wie keine Schäden anrichten.

Das ist natürlich brutal unwirtschaftlich und man könnte die 500g Kaffeepackung nicht für unter 3 € im Discounter anbieten. Deshalb sind konventionelle Kaffeehersteller dazu übergegangen, Kaffeeplantagen anzulegen, was freilich keinerlei ökologischen Nutzen besitzt.

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Dass es auch anders geht hat unsere Partnerorganisation OroVerde in ihren Projektgebieten Guatemala und Honduras bewiesen. In sogenannten Agroforstsystemen wird der Kaffee mitten im Wald angebaut. Oftmals in Kombination mit Orangen-, Zitronen- und/oder Bananenbäume. Als natürliche Dünger werden andere Bäume mit dazu gepflanzt, wie beispielsweise der Inga. Er düngt den Boden auf natürliche Weise mit Nitrat. Aggroforstsysteme kombinieren also landwirtschaftliche sanfte Methoden mit nachhaltigen forstwirtschaftlichen Methoden.

Da der Kaffeeanbau sehr wasserintensiv ist, haben große Plantagen das Problem, dass der Boden irgendwann unfruchtbar wird. Dann wird einfach das nächste Regenwaldstück gerodet und eine neue Plantage erstellt. Der günstige Preis von konventionellem Kaffee beruht einfach auf Ausbeutung der Natur. Dieses Problem existiert in Agroforstsystemen ebenfalls nicht, da die Bäume vor Bodenerosion schützen und als Schwämme fungieren.

Auch Schädlingsbefälle sind seltener als in Monokulturen. Allerdings ist der Kampf dagegen schwerer, da keine Pestizide eingesetzt werden können. Weshalb Ernteverluste in Agroforstsystemen höher sind, wenn sich dann doch einmal ein Schädling einnistet.

Kaffee kann nachhaltiges Einkommen vor Ort sichern

Auch wenn man es sich manchmal wünschen würde, kann sich keiner dem kapitalistischen System entziehen. So geht es auch Staaten. Wenn sie keine Wertschöpfung haben, wird ihre Währung wertlos und sie können sich gar nicht mehr gegen den Weltmarkt wehren.

Da der Bedarf nach Kaffee groß ist, möchte natürlich jeder gerne an dem Produkt profitieren. Wenn es keine besseren Einkommensquellen gibt, nimmt man dann als wirtschaftlich nicht ganz so entwickeltes Land auch den Billigkaffee in Kauf. Das heißt im Umkehrschluss, wer möchte, dass Länder mit viel Natur diese Natur auch schützen, muss es ihnen bezahlen.

Eine Statistik die zeigt, dass der Fairtrade-Konsum steigt
Grafikquelle: statista

BIO-Kaffee geht meist mit einer Fairtrade-Zertifizierung einher, was dazu beiträgt, Wohlstand und Nachhaltigkeit halbwegs zu vereinen. In Agroforstsystemen ist der Arbeitsaufwand darüber hinaus höher als auf Plantagen, was weitere Arbeitsplätze schafft.

Wer vom Wald profitiert, schützt ihn auch. Eine einfache Rechnung.

Kaffee kann nachhaltig transportiert werden

Als Greta nach New York gesegelt ist, hat sie uns alle die Augen geöffnet, dass es da noch mehr gibt zwischen Kreuzfahrtschiff und Flugzeug.

Auch wenn es schon vor ihrer Reise Frachtsegelanbieter gab, steigt nun die Nachfrage dafür nach und nach. Man darf dabei nicht verschweigen, dass sich die meisten Güter heute noch nicht lohnen, um mit einem Segelschiff transportiert zu werden.

Jedoch eignet sich Kaffee dafür relativ gut. Er ist von seiner Beschaffenheit dazu geeignet, platzsparend transportiert zu werden. Er wird in einer Zeit geerntet, in der sich das Meer zum Segeln eignet. Kaffee ist nicht schnell verderblich und lagerbar, also muss man keine Just-in-Time-Logistikkette aufbauen.

Laut eigenen Angaben von Slokoffie, einem Anbieter, der seinen Kaffee mit Segelschiffen transportiert, spart das Segelschiff 90% der CO2-Emissionen. Wobei bei großen Transportschiffen, CO2 nicht das größte Problem ist, sondern eher die Luftverschmutzung mit anderen schädlichen Gasen. Aber auch das fällt natürlich beim Segeln weg.

Meme: Immer Mehr Kaffeeanbieter transportieren ihre Waren per Segelschiff
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Wenn sich der Segeltransport per Fracht etabliert, könnte das einen Schub für die ganze Branche bedeuten. Vielleicht wird die Segelfracht dann auch für andere Güter rentabel und normal.

Was kann ich als Verbraucher*in tun?

Kaffee kann wegen oben beschriebener Anbaumethoden enorm günstig sein. Ich möchte niemanden seinen Kaffee vorenthalten, der es sich nicht leisten kann. Trotzdem kann man überlegen, ob man nicht wo anderes einspart und dafür bisschen qualitativ hochwertigeren Kaffee kauft.

Wichtig für die Natur wäre vor allem auf das BIO-Siegel zu achten. Zumindest werden hier keine Pestizide eingesetzt und es müssen Maßnahmen gegen Bodenerosion getroffen werden.

Fairtrade wäre für die Menschen von Ort wichtig. Oftmals gehen damit auch Bildungsprogramme einher. Der größte Vorteil ist aber der garantierte Verkaufspreis der Bohnen, sodass die Kaffeebauern und -Bäuerinnen nicht vom teilweise drastisch sinkenden Weltmarktpreis abhängig sind.


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Bio- und Fairtrade-Kaffee im Mindeststandard gibt es beim Discounter schon für unter 10 € das Kilo. Wenn man es bei Anbietern kauft, die ein bisschen höheren Standard haben, wie GEPA (eine Welt Laden), kostet es knapp das Doppelte. Also circa 19 € das Kilo.

Doch auch hier ist nicht garantiert, dass es aus Agroforstsystemen stammt, obwohl die Wahrscheinlichkeit besteht. Ein Anbieter, den ich gefunden habe, ist Slokoffie, die das laut ihrer Homepage so anbauen. Die transportieren den Kaffee auch im Segelschiff. Hier liegen die Preise bei 30 € pro Kilo.

Weitere Anbieter, die per Segelschiff transportieren und ebenfalls mehr als nur einfachen BIO-Standard anbieten sind Teikei und Yallah.

Eine weitere interessante Alternative ist der Erwerb von wilden Kaffeesorten. Obwohl es 124 wilde Kaffeesorten gibt (von denen 60% als vom Aussterben bedroht gelten), trinkt der Weltmarkt nur zwei Sorten.

98 % des verkauften Kaffees sind die Sorten Arabica und Robusta. Wer die wilden Kaffeepflanzen erhalten möchte, muss sie also unter Schutz stellen oder sie wirtschaftlich bedeutsamer machen. Bei dem Anbieter Original Food kann man beispielsweise BIO-Zertifizierten Wildkaffee erwerben.

Und wer keinen Kaffee trinkt und trotzdem Agroforstsysteme unterstützen will, kann entweder an OroVerde spenden oder mir einen Kaffee ausgeben 🙂


Titelbild (Kaffeetasse mit Kaffeebohnen): Christoph


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Ein Gedanke zu „Kaffee trinken für den Arten- und Klimaschutz?

  1. Bei Slokaffee hab ich die letzten 2 Jahre den Kaffee für die Weihnachtsgeschenke gekauft , da die dieses Jahr kein Segelschiffkaffee anbieten , werde ich mal den Wilden Kaffee versuchen .

    ” Ich möchte niemanden seinen Kaffee vorenthalten, der es sich nicht leisten kann.” Vielleicht sollte man sich wieder bewußt werden das Kaffee ein Genußmittel ist das man nicht Literweise in sich reinkippen sollte , da war die Nachkriegsgeneration anders die sich nach dem Krieg nur Muckefuck leisten konnte , da wurde selbst als man es sich leisten konnte es nicht übertrieben.

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