Schrott am Hafen

Elektroschrott kostenlos & unkompliziert entsorgen und der Umwelt helfen!

Du stellst dir die Frage, wohin mit deinem alten Smartphone, den kaputten Mixer oder der defekten Waschmaschine? Dann bist du hier genau richtig! Ich möchte aber nicht nur auf die Entsorgung von Elektroschrott, sondern auch auf die Probleme und Alternativen zum reinen Recycling in diesem Artikel eingehen!

Enorme Mengen Schrott fallen im Jahr an

Mit 22,8 Kilogramm Elektroschrott pro Kopf im Jahr sind wir Deutschen relativ gesehen trauriger Spitzenreiter beim Wegwerfen von Elektroprodukten.  Obwohl die Chinesen pro Kopf viel weniger Elektromüll produzieren, sind sie jedoch in absoluten Zahlen gesehen die Elektromüllnation Nummer 1.

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Insgesamt werden weltweit 44,7 Millionen Tonnen Elektromüll im Jahr weggeworfen. Dabei besteht der Großteil (37,6 %) des Elektroschrotts aus Kleingeräten wie Smartphones, Handys, Tablets, MP3-Player oder ähnliche Gerätschaften. Gefolgt von Großgeräten, wie dem Wäschetrockner oder dem Geschirrspüler. Klimageräte liegen auf Platz 3, nur wenige Prozent vor Bildschirmen.

Infografik zu dem Elektroschrottaufkommen pro Land und pro KG je Einwohner im Jahr

Quelle: Statista

Die Gründe, warum so viel Elektroschrott anfällt, sind vielfältig. Die Produkte werden immer günstiger, sodass die Hemmschwelle sinkt, sich einfach ein neues zu kaufen, obwohl das alte Gerät noch funktionieren würde.

Damit es dazu kommt wenden die Unternehmen sehr geschickte Marketingmaßnahmen an. Es kommt nicht von ungefähr, dass jeder das neueste Smartphone haben möchte, obwohl nichts Signifikantes zum Vorgängermodell verändert wurde. Manchmal bauen die Hersteller, verbotenerweise, absichtlich eine natürliche Lebenszeitbegrenzung in ihre Produkte ein. Beide Methoden kennt man unter dem Begriff Obsoleszenz.

Hinzu kommt die ständige Konsumverfügbarkeit durch den Onlinehandel und der soziale Druck immer neuere, ausgefallenere Gerätschaften zu besitzen.

Die Recyclingquoten sind miserabel

Nur wenige Länder in der EU besitzen eine vernünftige Recyclingquote beim Elektroschrott. In Deutschland wurden im Jahr 2013 nur 36,0 % der alten Elektrogeräte recycelt.

Das liegt nicht nur an der schlechten Rücklaufquote und falschem Recycling der Verbraucher, sondern auch an den Herstellern selbst. Vor allem in Ländern, die aufgrund ihrer Handelsbeziehungen und Infrastruktur günstig Rohstoffe importieren können, ist die Verwendung von Recyclingmaterialien nicht immer wirtschaftlicher als die Rohstoffe neu zu erwerben.

Außerdem ist das Trennen der Rohstoffe zum Beispiel aus einem Trockner ziemlich zeitaufwendig und nur schwer zu automatisieren, da es so viele Modelle gibt. Das macht es in Ländern mit hohen Lohnkosten zusätzlich unrentabel.

Balkendiagram mit der Recyclingquote von EU-Ländern bei Elektroschrott. Bulgarien ist mit 68,3 % das beste Land, Spanien mit 26,1 % das Schlechteste. Deutschland liegt mit 36,0 % im unteren Mittelfeld

Quelle: Statista

Elektroschrott ist Milliarden Euro wert

Obwohl manche Firmen entscheiden, dass sich Recycling für sie nicht lohnt, ist diese Denke ein Trugschluss. Zum einen landen wertvolle Rohstoffe einfach in der Müllverbrennungsanlage oder in einer Deponie und sind für immer verloren. Oder zumindest so zusammengeschmolzen und vergammelt, dass ein Recycling in der Zukunft noch aufwendiger wird, als es jetzt gleich vernünftig zu machen.

Dabei herrschen bei einigen Rohstoffen, die in Elektrogeräten des alltäglichen Gebrauchs verwendet werden, jetzt schon Versorgungsunsicherheiten. Was auch daran liegt, dass seltene Erden und Metalle oft in Gebieten vorkommen, die entweder politisch oder umwelttechnisch kritisch sind. Oftmals auch beides. So dringen Goldminen immer weiter in den Regenwald vor. Die besten Rohstoffe sind die, die wir nie aus der Erde holen müssen.

Deshalb wird immer wieder Urban Mining ins Spiel gebracht. Das heißt, die Rohstoffe für neue Produkte nicht mehr aus Minen zu beziehen, sondern aus den Städten/Gemeinden. Also von den Leuten über Recycling. Das klingt ja auch vernünftig. Nur diese Art von Vernunft kennt der freie Markt halt nicht immer.

Infografik, die aufzeigt, wie viel Euro die Rohstoffe des Elektroschrott-Recyclings im Jahr Wert wären. Geld liegt mit 18,8 MRD Euro an der Spitze.

Quelle: Statista

Dabei sprechen auch die monetären Aspekte für das Recycling. Die internationale Fernmeldeunion (ITU) schätzt die Rohstoffe des weltweit angefallenen Elektroschrotts aus dem Jahr 2016 auf 55 Milliarden Euro. Das entspricht immerhin der Wirtschaftsleistung von Kroatien. Und das jährlich!

Auffällig ist, dass vor allem viele Metalle, die sonst nur mit viel Umweltschäden abgebaut werden können, dem Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden könnten. Also Gold, Kupfer, Aluminium und Eisen. Insgesamt stecken im Elektroschrott bis zu 60 im Periodensystem gelistete Elemente. Die Schätzung für Plastik ist zumindest beim Erlös wohl etwas optimistisch ausgefallen. Aber selbst wenn man die 15 Milliarden vom Plastik abzieht, wären es immer noch 45 Milliarden Euro, die jährlich aus dem Elektromüll durch konsequentes Recycling zu holen wäre.

Was passiert mit meinem Smartphone & Co?

Das kommt immer ganz darauf an, wie und wo du deinen Elektroschrott entsorgst und um welches Gerät es sich handelt. Für viele Geräte wie dem Smartphone oder Röhrenmonitore existieren schon Recyclingspezialisten, die bei der richtigen Entsorgung dafür sorgen, dass dein Gerät fachgerecht recycelt wird.

Bei falschem Recycling landen die wichtigen Rohstoffe einfach in Müllverbrennungsanlagen oder Mülldeponien. Dann sind die Rohstoffe erst einmal weg und verschwendet.

Obwohl wir in der EU ein relativ strenges Recyclinggesetz für Elektroschrott besitzen, landet trotzdem einiges an scheinbar richtig recyceltem Müll in armen Ländern. Meistens ist das Recyclingmüll, welcher in den Industrienationen nicht wirtschaftlich aufbereitet werden kann. Obwohl die armen Menschen vor Ort auf das winzige Einkommen, dass durch den Elektroschrott reinkommt angewiesen sind, exportieren wir damit Leid, Tod und enorme Umweltprobleme.

Kinder, die zumeist nicht in die Schule gehen verbrennen im offenen Feuer Elektrogeräte um an Edelmetalle zu gelangen. Diese verkaufen sie anschließend für wenige Cents. Dabei entstehen nicht nur krebserregende Stoffe, welche die Menschen krank machen, sondern auch nicht reparable Umweltschäden. Über diese Problematik ist mit WELCOME TO SODOM eine eindrucksvolle Doku entstanden, die nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger arbeitet, sondern auch die Geschichten hinter den Personen zeigt.

Elektroschrott kostenlos recyceln

Nun stellt sich die Frage, wie man denn nun richtig recycelt, damit das alte Elektrogerät weder Umwelt noch Menschen schadet. Das ist leider wie so immer nicht ganz einfach. Seit dem 24. Juli ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Läden und Online-Shops mit mehr als 400 m² Verkaufs-, bzw. Lagerfläche verpflichtet sind, Elektroschrott kostenlos zurückzunehmen. Selbst, wenn man das Gerät nicht bei dem Händler gekauft hat.

Das ist zwar schon ein sehr guter gesetzlicher Schritt. Stichproben haben leider gezeigt, dass es trotzdem vorkommt, dass der Elektroschrott dann in Afrika auf diesen Deponien landet. Das ist zwar verboten, kann aber effektiv nicht verhindert werden, da die Ladungen in riesigen Containerschiffen versteckt werden und der Zoll nicht die Ressourcen besitzt, allen auf die Schliche zu kommen.

Deshalb musst du, soweit es möglich ist, das Recycling beeinflussen, wenn es dir wichtig ist, dass dein Müll niemandem schadet! Dazu kannst du auf folgende Kriterien achten. Und das Beste: Alle Tipps sind kostenlos oder bringen sogar noch Geld 😉

Funktioniert das Gerät noch?

Wenn dein Gerät noch funktioniert, dann ist es eigentlich zu schade zum Wegschmeißen.

Check doch den Preis auf Verkaufsplattformen wie ReBuy oder Ebay (Kleinanzeigen). Vielleicht kannst du damit noch ein paar Euros verdienen.

Wenn nicht, verschenke es doch über die zahlreichen Möglichkeiten wie: Gruppen in sozialen Medien, schwarzes Brett, Kleinanzeigen-Bereiche On- wie Offline oder im Umsonstladen. Manchmal freuen sich auch soziale Einrichtungen darüber. Aber meistens nur, wenn es dann doch nicht allzu alte Geräte sind.

Funktioniert das Gerät noch und ist ein PC? Dann kannst du es eventuell bei der Organisation Linux für Afrika spenden. Dann landet dein PC nicht auf einer giftigen Deponie, sondern im Klassenzimmer.

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Smartphone & Handy-Recycling

Zahlreiche Anbieter haben sich auf das Recyceln von Smartphones und Handys spezialisiert. Manche spenden sogar einen geringen Betrag je eingesendetem Smartphone / Handy an eine Organisation. In der Regel werden die Geräte überprüft, ob man sie noch weiterverkaufen kann. Das ist aber bei nur circa 10 % der Fall. 90 % werden fachgerecht recycelt. Oftmals in Behindertenwerkstätten, sodass das Recycling auch noch sinnvolle Arbeitsplätze schafft.

Wer ein einzelnes Gerät kostenlos zurücksenden möchte, kann das über die Deutsche Post bewerkstelligen. Einfach in einen Maxibrief stecken, kostenlose Versandmarke anfordern und wegsenden. Allerdings wird hier kein Geld gespendet. Alle anderen Initiativen haben wohl aufgrund von Wirtschaftlichkeit die Rücknahme so umgestellt, dass man das Porto zahlen muss. Leider überschreitet das Porto meistens den Spendenanteil.

Wer mehrere alte Smartphones, Handys und Zubehörteile hat und/oder von seinen Freunden und Verwandten mit einsammeln möchte, dem lege ich die Sammelbox vom NABU wärmstens ans Herz! Man kann sich im NABU-Shop kostenlos und versandkostenfrei eine oder mehrere Sammelboxen für Handys und Smartphones bestellen. Das besondere ist, dass man auch Zubehörteile wie Ladegeräte mit reinwerfen darf. Wenn die Box voll ist oder du keinen mehr findest, der dir sein Handy überlässt, dann kannst du einen kostenlosen Rückschein anfordern und die Box versandkostenfrei zurücksenden.

Die Sammelbox vom NABU für Handys, Smartphones und Zubehörteile auf meinem Bürotisch

Auch bei mir im Büro habe ich die Sammelbox aufgestellt.

So hat der NABU mit diesen Sammelboxen im Jahr 2017 ganze 58.557 alte Handys / Smartphones dem Recycling zugeführt. Dadurch sind Spenden im Wert von 93.161 € zusammengekommen. Der Erlös des Recyclings wird für die Renaturierung der Havel aufgewendet.

Defekte kleine und mittlere Elektrogeräte recyceln

Bild: 3dman_eu / pixabay.de / CC0

Neben der Verpflichtung der Händler, dass sie den Elektroschrott annehmen und fachgerecht recyceln müssen, kannst du den Elektroschrott natürlich auch zu deinem zuständigen Wertstoffhof fahren.

Bequemer und relativ sicher, dass das Gerät dann nicht in Afrika landet, ist der oben erwähnte kostenlose Elektroschrott-Rücknahmedienst der Deutschen Post.

Alle Elektrogeräte, die in einen Maxibrief passen können so kostenlos zurückgesendet werden. Beispielsweise: Fitness-Tracker, Elektrozahnbürsten, Aufladegeräte, Uhren und wo weiter. Den schon frankierten kostenlosen Versandschein kannst du hier herunterladen. Anschließend einfach in den nächsten Postkasten werfen.

Recycelt werden die Geräte dann im Rheinland Pfälzischen Luststadt nach deutschem Recyclinggesetz.

Große Elektrogeräte recyceln

Bei großen Geräten ist das Rücknahmesystem leider noch nicht so toll wie bei kleinem und mittlerem Elektroschrott.

Hier bleibt dir leider nichts anderes übrig, als dein Kühlschrank, Waschmaschine und sonstige sperrige Elektrogeräte wieder zum Händler oder zu deinem zuständigen Wertstoffhof zu bringen. Zumindest ist das für haushaltsübliche Mengen ebenfalls kostenlos.

Da es in Deutschland keine Sperrmüllsammlungen mehr gibt, hast du ohne Transportmöglichkeiten hier leider oft die A-Karte. Da musst du dich auf der Seite deiner Gemeinde / Stadt oder dem zuständigen Entsorger schlaumachen, ob sie eine Abholung sperriger Geräte zur Verfügung stellen. Wie das geregelt ist, ist regional sehr unterschiedlich. Manchmal ist das umsonst, manchmal nur zwei Mal im Jahr und andere Kommunen verlangen einen kleinen Geldbetrag für die Abholung.

In manchen Städten gibt es Anbieter, die deine alten Geräte kostenlos mitnehmen. Meistens unter dem Deckmantel von Metallankauf. Hier wäre ich vorsichtig. Es kann schon sein, dass die dann das wertvolle Metall herausbrechen. Wo dann der Rest landet, kann man sich vermutlich denken.

Damit die Großgeräte genauso gut recycelt werden wie die Kleinen und Mittleren und nicht in Afrika auf der Müllhalde landen ist noch einiges an politischer Arbeit nötig. Mach doch deinen Bundestagsabgeordneten und EU-Abgeordneten auf diesen Beitrag und auf die Doku “Welcome to Soddom” aufmerksam.

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Titelbild (Schrott): MrsBrown / pixabay.de / Lizenz: CC0

Robert

Robert

Programmierer | Blogger | Selbständiger bei RegSoft
Ich bin der Gründer von Blog2Help. Als selbständiger Software-Entwickler und StartUp-Gründer (Zum Blog) kenne ich die Herausforderungen, die eine nachhaltige Unternehmensführung mit sich bringt. Neben aller politischer Arbeit, bin ich der festen Überzeugung, dass man für eine faire und gerechte Welt als Verbraucher vor allem die Unternehmen in die Pflicht nehmen muss.

Die Faszination zum Regenwald begleitetet mich schon von klein auf. Durch die Staufen-Altpapier Schulhefte kam ich schon in der Grundschule mit der Regenwaldorganisation OroVerde e.V in Kontakt und unterstütze diese seitdem mit unkonventionellen Mitteln. Damals z.B. mit dem Sammeln von Briefmarken und seit 2009 mit der Gründung von Blog2Help.

Im Rahmen eines Universitätsprojekts konnte ich im Jahr 2013 selbst in den Regenwald nach Madagaskar reisen und bei der Ausbildung der Parkranger mithelfen.
Robert
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