Eine Fabrik aus deren Schornsteinen enorm Viel Rauch entweicht

Darum ist CO2-Kompensation kein Ablasshandel & So kannst du kompensieren

Schon im Jahr 2010 haben wir von der Idee berichtet, nicht vermeidbaren CO2-Ausstoß zu kompensieren. Und seitdem, wenn nicht sogar länger, verfolgt mich in Diskussionen das Torschlagargument des Ablasshandels. Ich kann es nicht mehr hören, denn es ist schlicht und einfach ein schwachsinniger Begriff für die Kompensation von klimaschädlichen Gasen.

CO2-Kompensation ist schon deshalb kein Ablasshandel, weil man sich mit dem Ablass eine fiktive Schuld bei einem fiktiven Wesen freikauft. Bei der CO2-Kompensation unterstützt man Projekte, die Menschen und Natur helfen. Ob man am Ende ein besseres Gewissen hat, ist der Natur völlig egal. Du landest also nicht in der Vorhölle, wenn du es lässt. Außer vielleicht, wenn du den Klimawandel noch im Endstadium miterleben würdest 😀 Aber dafür sind wir ja da, dass das nicht passiert.

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Warum CO2-Kompensation wichtig ist

Zuerst sollte ich erwähnen, dass man sich nicht darauf aufhängen sollte, dass es sich bei der Kompensation nur um CO2 handelt. Klar gibt es noch viel schlimmere klimaschädliche Gase wie Methan. Jedoch ist es gang und gäbe in diesem Bereich, dass man alle Gase auf die Schädlichkeit von CO2 umrechnet. CO2 ist quasi ein Standardmaß geworden.

Ein Problem unseres Wirtschaftssystems ist, dass in den Produktpreisen von Konsumgütern zwar allerhand Kosten einkalkuliert sind, jedoch ist der wichtigste Kostenpunkt nicht eingepreist: Die Umweltschäden. Oftmals sind die umweltschädlichsten Produkte und Dienstleistungen in einem Segment sogar noch um einiges günstiger als die ökologisch korrekte Alternative. Das ist der eigentliche Irrsinn.

Wir haben in unserem System also ein widersprüchliches Bild von Wertschöpfung. In der Natur wäre Wertschöpfung das, was quasi aus dem Nichts erschaffen wurde. Also zum Beispiel der Rohstoff Holz. Ein Baum kann durch seine Samen eine Vielzahl an weiteren Bäumen produzieren und erzeugt so aus Luft, Wasser und Erde einen wichtigen Rohstoff ohne irgendetwas zu zerstören. Wertschöpfung als im eigentlichen Sinn.

Die Wertschöpfung im Wirtschaftsbereich definiert Wikipedia folgendermaßen:Wertschöpfung ist in einer Geldwirtschaft das Ziel produktiver Tätigkeit. Diese transformiert vorhandene Güter in Güter mit höherem Geldwert.” Es wird also weniger bewertet, welche Wertschöpfung real entstanden ist, sondern nur was nach produktiver Tätigkeit jemand bereit ist zu zahlen.

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Absurd wird es dann, wenn eine Regierung auch noch die klimaschädliche Alternative steuerlich bevorzugt. So geschieht es beim Vergleich Bahn, Auto, LKW und Flugzeug. Es gibt wohl keinen, der sich über die Preise der Bahn schon einmal aufgeregt hat. In der Regel bekommt man ohne Sparticket oder Bahncard 50 mit einem Inlandflug preislich besser weg als mit dem Zug. Das liegt daran, dass Kerosin nicht besteuert wird, die Trassenpreise der Bahn teuer ist. Und obwohl die Bahn mit Ökostrom fährt, muss sie sich trotzdem 100 % der Klimazertifikate kaufen. Fluggesellschaften jedoch nur 15 % (Quelle). Das gleiche passiert im Güterverkehr. Hier sind die Trassenpreise der Bahn in den letzten Jahren deutlicher gestiegen als die LKW-Maut. Dies will die Politik zwar nun durch geringere Trassenpreise korrigieren, trotzdem fehlt die Infrastruktur durch falsche Verkehrsinvestitionen, um viel mehr Güter auf die Schiene zu bekommen.

Dank zahlreicher CO2-Rechner kann man die Kosten der Umwelt- und Klimaschäden zumindest halbwegs sichtbar machen. Bleiben wir beim Beispiel Zug und Flugzeug. Laut Deutschem Umweltamt emittiert das Flugzeug pro Personenkilometer 5,63 X mehr CO2 als die Bahn. Dies wird aber nicht eingepreist. Eine CO2 Abgabe würde den realen Preis zum Vorschein bringen und es marktwirtschaftlich regeln.

Statistik der Länder mit dem höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf. Die USA führt weit abgeschlagen mit 17 Tonnen pro Kopf im Jahr.

Quelle: Statista

Kompensation pumpt Geld ins System

Eigentlich ist es egal, ob du aus schlechtem Gewissen, aus Überzeugung, aus Spaß oder weil du daran verdienen möchtest Geld in umweltfreundliche Alternativen steckst. Da die Motive und die Menschen vielfältig sind, gibt es in der Frage, wie man CO2 kompensieren kann, meiner Meinung nach kein richtig oder falsch. Hauptsache man macht es. Außer, dass natürlich die Grundregel “Vermeidung ist besser als Kompensation” Vorrang vor allen anderen Maßnahmen hat.

Ich bin ja ein großer Freund davon, meinen unvermeidbaren CO2-Ausstoß durch das Pflanzen von Bäumen zu kompensieren. Andere Organisationen investieren lieber in wirtschaftlich schwache Länder und tauschen beispielsweise Kohleöfen in armen Haushalten durch Solarkocher aus. Wieder andere Organisationen investieren in erneuerbare Energien und manche kaufen die CO2-Zertifikate der EU auf. Letzteres ist wohl die ineffektivste Methode. Allerdings sollte doch für jede Überzeugung etwas im Angebot sein.

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Was beim Thema Kompensation nicht erwähnt wird ist, dass es ja nicht immer eine Spende sein muss. Es ist zwar nobel, sein Geld für die gute Sache zu spenden. Aber wenn man der Typ dazu ist, dann kann man auch in umweltfreundliche Technologien investieren. Ich bin ja eh ein Verfechter davon, dass Investoren den Wandel zur karbonfreien Wirtschaft treiben sollen, wenn sich die Politik schon nicht traut. Mit deiner Investition in umweltfreundliche Technologien kannst du dazu beitragen, die wirtschaftliche Transformation voranzutreiben. Hier würde sich ein Blick in Bürgergenossenschaften im Energiebereich lohnen. Allerdings gibt es auch zahlreiche Indexfonds, die in grüne Technologie investieren. Crowdfunding wird in dem Bereich auch immer beliebter. Zu diesem Thema werde ich irgendwann ausführlicher bloggen (Newsletter abonnieren -> unten oder rechts).

Egal welche Methode der CO2-Kompensation du am Ende wählst. Du leitest damit Kapital in die richtige Richtung und schaffst aus meiner Sicht richtige Wertschöpfung.

Wann und wie soll ich kompensieren?

Wenn du kurzen Prozess machen möchtest, dann gehst du einmal im Jahr auf die Seite vom Umweltbundesamt, rechnest deinen jährlichen CO2 Ausstoß aus und kompensierst ihn dementsprechend. Das wäre allerdings der gutmütigste Ansatz.

Wenn das 2°C Ziel erreicht werden sollte, hätte jeder Mensch derzeit ein CO2-Budget von 2,7 t im Jahr zur Verfügung. Dies könnte man von seinem tatsächlichen Verbrauch abziehen.

Auch wenn gewisse Dinge in den persönlichen CO2-Ausstoß eingerechnet werden, steht es meines Erachtens jeden frei, die Ausstöße nicht zu kompensieren, die schon durch die umweltschonenste Alternative entstanden sind. Wenn du beispielsweise den Zug anstatt das Flugzeug nimmst, brauchst du dich meiner Meinung nicht auch noch selbst zu bestrafen und diese Ausstöße zu kompensieren (mal abgesehen davon, dass wie oben erwähnt die Bahn ja sowieso 100 % der CO2-Zertifikate kaufen muss).

CO2-Ausstoß auf Dienstreisen

Für den CO2-Ausstoß deiner Firma bist du freilich auch nicht selbst verantwortlich, das sollte schon dein Arbeitgeber kompensieren. Beispielsweise auf Dienstreise, auf Vertriebseinsatz und so weiter. Wenn das dein Arbeitgeber nicht tut (was wohl wahrscheinlich ist), wäre es sehr engagiert von dir, wenn du ihn ab und an daran erinnern würdest. Vielleicht ja sogar als Forderung beim nächsten Mitarbeitergespräch. In der Regel sind Firmen intern sehr gesprächsbereit bei grünen Themen, vor allem, wenn man sie medial ausschlachten kann. Und wer stellt sich nicht gerne als Saubermann hin?

Wie viel kostet CO2-Kompensation?

Die Kosten der CO2-Kompensation sind je nach Kompensationsmethode enorm unterschiedlich. Manche Anbieter verwenden Rechentricks, um einen möglichst günstigen Preis pro Tonne generieren zu können. So wird die bezahlte CO2-Menge bei manchen Projekten erst über mehrere Jahre kompensiert. Was es natürlich günstiger macht, aber je nach Dauer wenig sinnvoll ist. Deshalb empfehlen Experten, Projekte zu wählen, die schon die Menge CO2 kompensiert haben, bevor man sie bezahlt. Oder zumindest eine Kompensationsmethode, die relativ schnell das emittierte CO2 kompensiert.

In der Branche hat sich das Gold Standard Siegel etabliert. Ein paar Anbieter zur Inspiration, die seriös erscheinen, habe ich nachfolgend aufgelistet. Das gibt aber kein Bild der Vollständigkeit wider:

CO2 – Kompensation Anbieter

  • Atmosfair: Der wohl bekannteste Anbieter für CO2-Kompensation ist Atmosfair. Diese investieren hauptsächlich in erneuerbare Energien, Effizienzmaßnahmen und Umweltbildung in Ländern, die sich das sonst nicht leisten können.
  • Climate Fair: Ein etwas ungewöhnliches aber interessantes Projekt ist Climate Fair. Man kann dort seine Reise kompensieren lassen und das Geld in einen Regionaltopf werfen. Damit werden dann Klimaschutzmaßnahmen in dem ausgewählten Gebiet finanziert. Dazu müssen aber mindestens 2.500 € in der Region zusammenkommen, sonst geht es in den nationalen Fonds. Ideal für Firmen, Kommunen und Sammelaktionen.
  • Goldstandard.org: Ein Zusammenschluss verschiedenster Organisationen, bei denen man sein Projekt selbst wählen kann. Dabei ist man frei in der Auswahl, welche Art von Projekten man unterstützen möchte und in welchen Ländern die Kompensation stattfinden soll.
  • TheCompensators: Die günstigste, aber wohl derzeit nicht die effektivste Form der Kompensation. Die Berliner Organisation kauft die CO2-Zertifikate der EU auf und legt sie still. Die Idee dahinter ist, den Unternehmen die Verschmutzungsrechte so teuer wie möglich zu machen, damit sie mehr in Energieeffizienz und Alternativen investieren. Da derzeit noch ein Überangebot der Zertifikate herrscht, müssten sie schon sehr viele aufkaufen, damit das den gewünschten Effekt erzeugt.
  • MoorFutures: Schützt und bildet Moore in Deutschland um CO2 für immer zu binden. Da Moore nicht nur zum Umweltschutz beitragen, sondern auch die effektivsten CO2 Speicher der Natur sind, ist die Idee zwar naheliegend, aber trotzdem irgendwie außergewöhnlich. Derzeit gibt es drei Projekte in Deutschland. Dabei variiert der Preis pro Tonne je nach Projekt schon einmal um das Doppelte.
AnbieterKosten pro t CO2
Atmosfair23,00 €
Climate Fair82,80 €
Goldstandard.orgab 12 $
TheCompensators5,74 €
MoorFuturesab 35 €
Stand: 23.08.2018

CO2 – “Flaterate” durch Baumpflanzung

Natürlich muss ich an dieser Stelle meine Lieblings-Kompensationsmethode besonders hervorheben: Das Bäume pflanzen.

Die Aufnahme und Speicherung von Kohlenstoff bei Bäumen ist je nach Art und Vegetation extrem unterschiedlich. Auch hier werde ich einmal einen ausführlicheren Artikel bringen. Aber wenn wir von der untersten Grenze ausgehen, kompensiert ein Baum konservativ gerechnet 10 KG CO2 im Jahr. Und das im Schnitt circa 80 Jahre lang, bis er ausgewachsen ist.

Wenn du also im Jahr 11 Tonnen CO2 ausstößt, könntest du dir eine 80-jährige Flaterate mit 1.100 Bäumen erpflanzen (11.000 KG / 10 KG je Baum). Das wäre je nach Anbieter eine einmalige Investition von 110 € (beim günstigsten Anbieter Edenprojects), 1.100 € (bei OroVerde e.V.) oder 3.080 € (bei I Plant a Tree e.V.). Auf 80 Jahre heruntergerechnet ein wahres Schnäppchen.

Bei der Auswahl von Baumpflanzanbietern solltest du vor allem darauf achten, dass keine Monokulturen gepflanzt werden und die Bevölkerung vor Ort auch von den Pflanzungen profitiert.

Mehr Infos

Wer noch mehr Wissensdurst zur CO2-Kompensation besitzt, dem sei die PDF-Broschüre des Umweltbundesamtes ans Herz gelegt.

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Quelle Titelbild (Rauchende Schornsteine): Pixource

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2 Gedanken zu „Darum ist CO2-Kompensation kein Ablasshandel & So kannst du kompensieren

  1. Ich kompensiere (und hoffentlich überkompensiere) meine CO²-Bilanz durch die Eden Reforestation Projects. Um ein politisches Statement zu setzen, indirekt über trumpforest.com. Dafür ist in meinem Budget ein monatlicher Betrag angesetzt, den ich praktisch immer überweise, wenn ich die Miete überweise. Da führt für mich auch kein Weg daran vorbei. Wenn ich sehe, was Eden Reforestation erreicht und vor allem, mit welcher Methodik – Chapeau.

    • Hi Mathias,

      danke für deinen Kommentar!
      Ja, die Jungs und Mädels dorten leisten tatsächlich eine hervorragende kommunikative Arbeit.
      Und besonders toll finde ich natürlich, dass die unter anderem in meinem Lieblingsland Madagaskar aufforsten. Ich werde sicherlich irgendwann in ferner Zukunft mal dort vorbeischauen 😀

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