Schlafendes Baby

Soll man auf Kinder verzichten um das Klima zu retten?

In den letzten Tagen sehe ich in den sozialen Medien vermehrt Grafiken und Tipps, welche persönlichen Maßnahmen man gegen den von Menschen verursachten Klimawandel treffen kann. Weit abgeschlagen auf Platz 1 der effektivsten Maßnahmen steht, weniger Kinder zu bekommen.

Ein Kind weniger zu bekommen spart angeblich 58,6 Tonnen CO2 im Jahr. Dies sorgte schon 2017 kurz für Aufsehen, als eine Studie diese Zahlen veröffentlichte. Viele Umweltschutzseiten und andere Medien haben diese Forderungen unreflektiert übernommen. Warum die Studie nun wieder in den Medien ist, erschließt sich mir nicht ganz. Ich möchte mich aber auf dieses Gedankenexperiment kurz einlassen.

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Die moralische Frage

Es stellt sich bei der Frage nach dem Verzicht von Kindern vor allem die moralische Frage: Darf ich anderen Menschen verbieten, Kinder zu bekommen? Ich persönlich tu mich da schwer.

International gesehen gab es dieses Experiment schon: Die Ein-Kind-Politik der Chinesen. Eingeführt 1979 bei ca. 981 Millionen Einwohnern, beendet 2015 bei 1,39 Milliarden Einwohnern. Es ist deutlich zu erkennen, dass sich nicht alle an die Ein-Kind-Regel gehalten haben. Zusätzlich gab und gibt es massive soziale Probleme. Um die männliche Erblinie aufrechtzuerhalten, wurden oftmals weibliche Babys getötet oder ins Waisenhaus gebracht. Das ist nicht nur scheiße, es führte auch zu einem Ungleichgewicht der Geschlechter. Heute kommen auf 120 männliche Chinesen nur 100 Frauen. Der Singlemarkt ist dort sicherlich die reinste Freude.

Viel wichtiger ist hingegen die Frage, ist eine Welt ohne Kinder überhaupt lebenswert? Jeder sucht irgendwie nach dem Sinn des Lebens. Der biologische Sinn unseres Lebens ist jedoch ziemlich profan: Die Fortpflanzung. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass wir mit Kindern fast nur gutes assoziieren und sie im Kreise der Familie besonders beschützt werden.

Ohne dass man die Welt an jemanden übergeben kann, ist die Anstrengung, die Umwelt und unsere Lebensgrundlagen zu retten, eh nur halb so schön. Das müssen nicht einmal eigene Kinder sein, aber je näher die Kinder einem selbst im Stammbaum nahestehen, desto eher ist man bereit Opfer zu bringen, um ihnen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

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Wie viel Ressourcen verbraucht ein Kind?

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, an dem die Metastudie widersprüchlich wird. Die Studie wertet selbst nur andere Studien aus und präsentiert die Ergebnisse. Nun stellt sich die Frage, warum es 58,6 Tonnen CO2 im Jahr sparen soll, wenn ich ein Kind weniger bekomme, obwohl jeder Deutsche im Schnitt “nur” 9,1 Tonnen CO2 im Jahr 2017 ausgestoßen hat? Ich bezweifle, dass die paar Windeln den 9-fachen CO2 Ausstoß rechtfertigen. (Ökowindeln auf Amazon)

Es riecht ein wenig danach, dass für diese These einfach zu wenig Daten verfügbar sind. Bei der Methodik wird nur kurz darauf eingegangen, dass es auf die Eltern und Großeltern umgerechnet wurde. Gestützt wird sich dabei auf eine Studie von 2009. Die ist leider nicht öffentlich zugänglich und ich werde mir sie nicht kaufen.

Wie auch der Grafik zu entnehmen ist, sind zum einen die Unterschiede von Land zu Land extrem groß. Zum anderen liegen anscheinend nicht für alle Länder genügend Daten vor.

Balkendiagramm unterschiedlicher CO2 ausstöße u.a. auch von Kindern

Quelle: The climate mitigation gap: education and government recommendations miss the most
effective individual actions; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 licence

Ich glaube, bei der Frage, ob man keine Kinder bekommen soll, um das Klima zu schützen, besteht noch ein wenig Forschungsbedarf. Sollten die Studienergebnisse stimmen, bleiben immer noch die oben erläuterten moralischen Fragen.

Aber die Afrikaner…

Da das Argument, die Afrikaner vermehren sich zu viel und deshalb ist eh alles verloren, bei der Frage nach Geburtenkontrolle, zwangsläufig aufkommt (leider), muss ich auch hier noch einmal betonen: So lange Afrika weiterhin so vom Wohlstand abgeschnitten ist wie bisher, ist es fast egal, wie groß dort die Bevölkerung ist.

Ein Nigerianer stößt 0,97 Tonnen CO2 und Methan im Jahr aus. Ein Amerikaner 17,67 t. Auf eine amerikanische Frau können also 18,2 nigerianische Kinder kommen. Es sind aber “nur” 5,53. Da ist selbst bei Wirtschaftswachstum noch ein bisschen Puffer dazwischen.

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Die Diskussion ist also heuchlerisch, denn jede Umweltmaßnahme in den Industriestaaten würde mehr bringen als eine Ein-Kind-Politik in afrikanischen Ländern. Wer Geburtenkontrolle möchte, muss also konsequenterweise erst einmal in der westlichen Welt anfangen. Das habe ich in einem Blogbeitrag von 2011 schon einmal näher durchleuchtet.

Jedoch kann es weder hier noch in Afrika der Anspruch sein, dass der Wohlstand nur durch die Ausbeutung der Natur zustande kommt. Also muss die Lösung woanders liegen: Im Umbau des Wirtschafts- und Finanzsystems.

Der/die nächste Einstein

Hinzu kommt, dass jedes Kind, das geboren wird, die Wahrscheinlichkeit erhöht, das nächste Supergenie zu werden. Vielleicht löst genau dein Kind die ganzen Probleme der Zukunft?

Es geht aber auch eine Nummer kleiner. Wenn dein Kind später einmal zehn Leute überzeugt 10 % umweltfreundlicher zu leben, ist es dann quasi auch schon CO2-neutral. Ein positiver Schneeballeffekt. Damit es dazu kommt, sollten Eltern natürlich mit gutem Beispiel vorangehen.

Und nun: Liebt euch <3

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Titelbild (Baby): PublicDomainPictures

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