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Der Zwang zum Konsum

Du kennst vielleicht das Phänomen. Deine Kaffemaschine gibt genau dann den Geist auf, wenn die Garantie abgelaufen ist. Zufall? Vielleicht! Aber es könnte auch an der geplanten Obsoleszenz liegen. Was das bedeutet, klären wir gleich.

Wir leben in einer Konsumgesellschaft, unser gesamtes Wirtschaftssystem ist auf Wachstum ausgelegt. Wird nicht konsumiert, schrumpft die Wirtschaft und der Kapitalfluss trocknet aus. Folge ist meist eine erhöhte Arbeitslosigkeit. Einziger Ausweg ist Konsum. Doch was ist, wenn alle großen Bedürfnisse gedeckt sind?

Folgendes Horrorszenario für den Turbokapitalismus: Ich besitze ein abgezahltes Haus, ein Auto, Wohnungseinrichtung, PC und Co. Also alles größere Anschaffungen, auf die man lange sparen muss. Wenn alles von guter Qualität ist, müsste ich mir über Jahrzehnte keine Gedanken über Neuanschaffungen machen und müsste keine großen Investitionen mehr tätigen. Die Folge wäre, dass ich mein Geld vermutlich sparen würde. Höchstens der Jahresurlaub könnte einmal im Jahr zur größeren Investition werden, das wär es schon.

Werbung: *Lieber gebraucht kaufen*

Doch hierbei spielt die Wirtschaft nicht mit, denn das würde ja zur Folge haben, dass sie einmal ihr Produkt gut verkaufen, bis der Bedarf gedeckt ist und dann würde es zur Flaute kommen. Deshalb haben sich ganz schlaue Leute die Obsoleszenz einfallen lassen:

Das bekannteste Beispiel ist das erste Kartell in der Geschichte der Industrialisierung. Das Phoebuskartell war ein Zusammenschluss von führenden Glühbirnenherstellern (u.a Osram und Philips) um 1924. Dieses Kartell hat eine geplante Obsoleszenz eingeführt, was nichts anderes bedeutet als ein geplanter Verschleiß von Materialien zugunsten höheren Verbrauchs. In diesem Fall haben sich die Hersteller darauf geeinigt, dass ihre Glühlampen nicht länger als 1.000 Stunden halten dürfen, ansonsten drohen drastische Strafzahlungen. Dieses Verhalten wurde 1953 nach einer elfjährigen Verhandlung in einem beispiellosen Prozess verboten.

Diese Glühbirne brennt schon
seit mehr als 100 Jahren
Bild: wikipedia

Zum Thema Lebensdauer einer Glühbirne: In einer Feuerwache in San-Francisco hängt eine Glühlampe, die seit 1901 fast ununterbrochen glüht. Sie ist mittlerweile sehr Populär und 24h/7Tage die Woche per Livestream zu beobachten. Webcams sind schon einige kaputt gegangen, die Lampe glüht aber fleißig weiter. Heute hält eine Glühlampe zwischen 1.000 und 6.000 Stunden, ein Schelm wer böses dabei denkt. Die LED-Technologie bringt hierbei jedoch hoffentlich einen ordentlichen Schwung nach oben. Aber nur, wenn der Verbraucher auch immer das langlebigste Produkt bevorzugt.

Geplante Obsoleszenz per Kartell ist also verboten worden, doch wo kein Kläger da kein Richter, auszuschließen sind solche Methoden leider nie. Aber die Industrie hat auch moderne Formen der Obsoleszenz eingeführt, die den Verbraucher quasi psychisch dazu drängen, neue Produkte zu kaufen, obwohl das alte Gerät noch einwandfrei funktioniert.

Bei der psychischen Obsoleszenz wird einem suggeriert, ein neues Produkt aufgrund neuer Funktionalitäten, Designs oder Werbekampagnen unbedingt haben zu müssen. Deshalb gibt es vom IPhone ja auch unendlich viele Variationen, Neuauflagen und Neuversionierungen um immer wieder das gleiche Handy mit marginalen Veränderungen verkaufen zu können. Das Gleiche ist auch bei Autos der Fall. Ein Auto hält gut und gerne 20 Jahre, trotzdem wird schon viel früher auf ein neueres Modell zurückgegriffen.

Ein weiterer Kniff der Hersteller sind Reparaturkosten so hoch zu setzen, dass eine Neuanschaffung günstiger oder nur marginal teurer ist als eine Reparatur. Auch sind manche Gegenstände so gebaut, dass es immer aufwändiger wird, sie selbst zu reparieren.

Die Folgen der Obsoleszenz sind vor allem für die Umwelt sind fatal. Ein großer Teil des Elektroschrotts landet im Hausmüll und somit in der Müllverbrennungsanlage. Wichtige Rohstoffe wie seltene Erden gehen deshalb auf ewig verloren und der Abbau dieser ist meist mit erheblicher Umweltzerstörung verbunden. Aber selbst wenn die Geräte in einen Recyclingcontainer geworfen oder beim Hersteller rechtsmäßig zurückgegeben worden sind, ist das immer noch keine Garantie dafür, dass die Altprodukte umweltfreundlich und fachgerecht recycelt werden.

Ausgediente, aber noch funktionierende Geräte landen
oftmals auf dem Müll.
Bild: Frank Radel / pixelio.de

Eine gängige Praxis ist leider immer noch, dass Elektroschrott als „Second Hand“ deklariert wird und per Schifffracht in afrikanische Länder gebracht wird. Müll abladen in der dritten Welt ist nämlich gesetzlich verboten, deshalb muss man tricksen. Dort werden wirklich nur die besten Geräte weiterverkauft, der Rest landet auf riesige Müllberge. Die Armut der Bevölkerung treibt sie dann dazu, die seltenen Erden aus dem Elektroschrott direkt auf der Müllhalde herauszubekommen. Dies geschieht einfach durch Verbrennung direkt vor Ort, ohne Maske ohne Filter. So gelangen die Schadstoffe nicht nur in die Umwelt, sondern vergiften auch die Menschen, die ohne Schutz den Giftstoffen ausgesetzt sind.

Doch was kann man dagegen tun? Nicht immer mit dem Trend gehen, Flohmärkte besuchen, Second-Hand-Läden besuchen, Geräte bis zum Ende benutzen, funktionierende Altgeräte verkaufen, Großpackungen nur kaufen, wenn man sie auch verbraucht und ganz wichtig: Qualität muss eines der wichtigsten Kaufkriterien sein.

Außerdem muss die Wirtschaft zu einem ordentlichen Recycling gezwungen werden, auch wenn es sich für sie wirtschaftlich nicht immer lohnt. Für manchen Altschrott bekommt man ja sogar schon Geld bezahlt, aber die unliebsamen Geräte, bei denen kein großer Recyclingprofit zu erwarten ist, müssen auch wieder in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden.

Robert

Robert

Programmierer | Blogger | Selbständiger bei RegSoft
Ich bin der Gründer von Blog2Help. Als selbständiger Software-Entwickler und StartUp-Gründer (Zum Blog) kenne ich die Herausforderungen, die eine nachhaltige Unternehmensführung mit sich bringt. Neben aller politischer Arbeit, bin ich der festen Überzeugung, dass man für eine faire und gerechte Welt als Verbraucher vor allem die Unternehmen in die Pflicht nehmen muss.

Die Faszination zum Regenwald begleitetet mich schon von klein auf. Durch die Staufen-Altpapier Schulhefte kam ich schon in der Grundschule mit der Regenwaldorganisation OroVerde e.V in Kontakt und unterstütze diese seitdem mit unkonventionellen Mitteln. Damals z.B. mit dem Sammeln von Briefmarken und seit 2009 mit der Gründung von Blog2Help.

Im Rahmen eines Universitätsprojekts konnte ich im Jahr 2013 selbst in den Regenwald nach Madagaskar reisen und bei der Ausbildung der Parkranger mithelfen.
Robert

6 Gedanken zu „Der Zwang zum Konsum

  1. Nun ist das wirklich so schlimm? Wir leben doch im Überfluss und wenn wir dadurch helfen, dass unsere Wirtschaft besser läuft, dann haben noch mehr Menschen Arbeit.

  2. Was soll das heißen wir leben doch im Überfluss?

    Das tun wir eben nicht, Rohstoffe sind begrenzt. Andere Menschen müssen darunter leiden, dass wir im Überfluss leben. Ökosysteme stehen kurz vor dem Kollaps und unser Finanzsystem kommt damit auch offensichtlich nicht klar.

    Wäre nett, wenn du deine Meinung etwas mehr ausführst, damit man da konkreter darauf eingehen kann …

  3. Wichtigster Bestandteil ist ein Wertewandel in der Gesellschaft. Wenn ich sehe in welcher Geschwindigkeit z.B. ein IPhone nach dem anderen auf den Markt kommt und solche Hightechprodukte wie Wegwerfartikel gekauft und ausgetauscht werden, die von der Anschaffung oft weit über die Finanzkraft ihrer Käufer hinaus geht, dann ist irgendetwas schief gelaufen. Ich kaufe auch lieber Qualität und benutze Gegenstände, so lange sie funktioniern und man kann Dinge auch reparieren statt sie einfach weg zu werfen.

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